Als ich am Sonntag, dem 13. August 1961 morgens wie immer nach dem Aufstehen durch die Fensterscheibe meines winzigen Kinderzimmers auf die gegenüberliegende Straßenseite guckte, fielen mir sofort die Stacheldrahtrollen auf, die die VoPo’s ( Volkspolizisten ) dort irgendwann während ich schlief an der Kreuzung Bernauer Str über die aus dem Osten einmündende Ruppiner Str gelegt haben müssen.

Dazu muss man wissen, dass meine Eltern, meine noch kleinere Schwester und mich im Schlepptau, nur anderthalb Jahre zuvor mit kurzer westdeutscher Zwischenstation aus Polen nach West-Berlin gekommen sind und schon ein halbes Jahr später, etwa Mitte 1960, stolze Mieter einer der damals überall in Westteil der Stadt gebauten Sozialbauwohnungen wurden. Natürlich reichte es bei Ostblockmigranten wie wir nicht für eine der edleren Stadtlagen wie etwa Wilmersdorf oder Charlottenburg.
So kam ich als kleiner Junge direkt an den berühmtesten Abschnitt der Sektorengrenze Bernauer Str, genau genommen Bernauer Str Ecke Wolgaster Str. 8 . Das ist genau schräg gegenüber der Stelle, an der nur zwei Tage später, am 15. August 1961 das weltbekannte Foto “ Sprung in die Freiheit“ des in der Ruppiner Str. über den Stacheldraht springenden und sein Gewehr wegwerfenden Volkspolizisten Conrad Schumann entstanden ist. Nur etwa 80 m auf der Westseite der Bernauer Str. befand sich die Adresse unser ersten Wohnung im wundervollen West-Berlin.
Einordnen konnte ich das Geschehen als kleiner Junge, der ich damals war, zwar nur bedingt, kann mich aber noch sehr gut daran erinnern, dass meine Eltern den ganzen Sonntag über immer wieder vors Haus gingen ungewöhnlich viele Menschen und Polizeiautos auf unserer Straßenseite und immer mehr Menschen und Polizei auch auf der Ostseite in den dortigen Querstraßen zu sehen waren.
Immerhin wohnten wir dort noch über ein Jahr, lange genug, um mich zum Augenzeugen des Totalumbaus der Ostseite der Bernauer Str zu machen und auch den einen oder anderen der ersten Fluchten und Fluchtversuche zu sehen.
Es mussten aber noch einige Jahre vergehen, bis ich diese Teilung einer Stadt in der Mitte des „Kalten Krieges“ als den großen Ost-West-Deal verstanden habe, der er von Anbeginn an war:
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13. August 1961 — der Deal der Respektierung der gegenseitigen Machtsphären zwischen dem von der Chicagoer Mafia ins Amt gehievten, durch ständige heimliche Sexaffären erpressbaren, wegen seines späteren gewaltsamen Todes von der Geschichtsschreibung übertrieben glorifizierten , in seiner Bedeutung weit überschätzten US-Präsidenten Kennedy und dem verschlagenen sowjetischen Machthaber und Entstalinisierer Chrushtshew hatte gegriffen — zumindest bis zur nächsten großen Eskalation des andauernden kalten Krieges, der Kubakrise von 1962, die uns fast an den Rand eines Atomkrieges gebracht hat.
Beide Staatschefs, der US-Präsident und der sowjetische Generalsekretär hatten sich noch kurz zuvor im Juni 1961 in Wien getroffen, wo Kennedy gegenüber Chrushtshev, kaum bemerkt von der Öffentlichkeit, nicht mehr und nicht weniger sein Einverständnis zur vollständigen Abdichtung des ostdeutschen Freiluftgeheges DDR an der letzten undichten Stelle, an der Inner-Berliner Grenze zu den von den westlichen Alliierten kontrollierten Westsektoren der Stadt, erklärte.
Die Zeit drängte. Die SBZ ( sowjetisch besetzte Zone —- ehemalige, durchaus korrekte Bezeichnung anstelle des späteren, sehr euphemisierenden Begriffs „DDR“ – Deutsche Demokratische Republik ) drohte durch täglichen Menschenabfluss an der undichten Westberliner Grenze auszubluten.
Daher ging nach dem einvernehmlichen Wiener Treffen alles andere ziemlich schnell. Walter Ulbricht holte sich Anfang August 1961 in Moskau die erforderliche Baugenehmigung, die der große sowjetische Bruder seinem ostdeutschen Statthalter prompt erteilte.
Während der Warschauer Pakt am 7. August öffentlich folgende Begründung für eine bevorstehende Grenzschließung verkündete :
„ …um an der Westberliner Grenze der Wühltätigkeit gegen die Länder des sozialistischen Lagers den Weg zu verlegen und um für das Gebiet Westberlins eine verlässliche Bewachung und wirksame Kontrolle zu gewährleisten…..“ ,
gab es in der Führung der SBZ keinen Zweifel an den wirklichen Gründen der Abriegelung Ost-Berlins.
Am 12. August sickerte aus dem Politbüro folgender interner Beschluss heraus:
„ Die Lage des ständig steigenden Flüchtlingsstroms macht es erforderlich, die Abriegelung des Ostsektors von Berlin und die Unterbrechung des innerstädtischen S- und U-Bahn-Verkehrs durchzuführen “.
Von da an konnten sich die Berliner nach kurzzeitigen vor 60 Jahren am 13. August 1961 begonnenen Stacheldraht-Grenzsicherungs-Provisorien ganze 28 Jahre bis zum Jahr 1989 an einem schönen neuen Bauwerk, der viel und gern besuchten, von der Schießbefehl-SED, der Vorläuferin unserer „Linkspartei“ als „antifaschistischer Schutzwall“ ( wenn auch in falscher Richtung ) bezeichneten, Berliner Mauer delektieren.
Ganz im Sinne der Chrushtshev-Kennedy-Vereinbarung wurde „Die Mauer“ von der westlichen Politik zwar stets und „just for show“ publikumswirksam, stirnumwölkt und mutig angebellt, aber wurde bis zum — ganz sicher nicht von den Ostermarschierern erreichten — Zerfall des Ostblocks, trotz der auch heute gewohnt tränenreichen Reden unserer Politiker, niemals ernsthaft in Frage gestellt.
Übrigens und um etwaigen dies gerichteten Kommentaren zuvorzukommen —- die Legende von den an ihrer Teilung unschuldigen und von den Siegermächten schuldlos verunrechteten Deutschen teile ich keinesfalls.
Die Weimarer Republik war auch nach dem durch das fatale Weltkriegs I – Abenteuer selbstverschuldeten Untergang des wilhelminischen Kaiserreichs in ihrer Ausdehnung groß genug.
Es gab nicht den geringsten Anlass weiteren sogenannten Lebensraum außerhalb der damaligen deutschen Grenzen, insbesondere im Osten suchen zu müssen.
Aus Großmannssucht und rassistischem Herrenmensch-Wahn wurde mit sehr, sehr breiter Zustimmung des deutschen Volkes, in alle Himmelsrichtungen — auch weit in die damalige Sowjetunion hinein — ein grauenvoller und von den Deutschen grausam geführter Eroberungskrieg mit einer großen zweistelligen Millionen-Zahl an toten und verletzten Kriegsopfern angezetellt und dazu noch sechs Millionen vollkommen unschuldige deutsche und europäische Juden, Männer, Frauen und Kinder, willkürlich und mit großem, vielfach begeisterten Konsens der deutschen Bevölkerung schlichtweg auf brutalste Weise entrechtet, entwürdigt, gedemütigt und bestialisch ermordet.
Die mit zeitlichem Abstand zu dem Geschehen zunehmend vorgetragene weinerliche Larmoyanz über die spätere Opferschaft und Verunrechtung der deutschen Täter, besonders durch die Sowjetunion, an deren Entstehung 1917 das deutsche Kaiserreich übrigens nicht unmaßgeblich beteiligt war, verbietet sich angesichts des Ausmaßes der deutschen Gräuel vollkommen.
Übrigens, die Parteien der linkslastigen und grünen damaligen politischen Anbiederer an das ostzonale Stasi-System, sind genau jene, die in unserer Zeit mit ihrer freiheitswidrigen grünen und linken Ideologie die Strukturauflösung unserer freiheitlich demokratischen westlichen Lebensweise betreiben und mit ihrem unreflektiert suizidalen Einlass vor allem il-slamischer Rechtsverachtung, il-slamischer Gewaltbereitschaft und il-slamischen Judenhasses nicht nur unsere viele Nachkriegs-Jahrzehnte lang lebens- und liebenswerte Bundesrepublik zerstören, sondern schon wieder für die Verunmöglichung des sich in der Deutschland noch vor kurzem wieder vertrauensvoll etablierenden jüdischen Lebens verantwortlich zeichnen.
Besonders die Grünen und die SPD wehrten sich mit Händen und Füßen gegen die spätere Wiedervereinigung, während die Linke, die heute gar nicht genug Flüchtlinge die deutsche Grenze passieren lassen kann, seinerzeit als sie noch SED hieß, jeden die deutsche Grenze passierenden Flüchtling nach Möglichkeit erschießen ließ.
Dr. Rafael Korenzecher
