Evi, Heinz und die deutschen Bischöfe


1.  Unter Bezugnahme auf meinen publizierten offenen Brief an die Deutsche Bischofskonferenz wegen der missglückten und gänzlich untragbaren Äußerungen ihrer Bischöfe  anlässlich einer Israelbesuchsreise sehe ich mich veranlasst, wegen etlicher der mir zwischenzeitlich recht zahlreich zugegangenen  Leserkommentare, und den darin zum Teil enthaltenen mehr als fragwürdigen und minimalisierenden Versuche, das wesentliche Merkmal der Unterscheidung zwischen den Lebensbedingungen der wehrlosen jüdischen Opfer in den Ghettos der Nazis und den Lebensbedingungen der Palästinenser, vor allem quantitativ an der Zahl der Opfer aufzumachen, hier noch folgenden klarstellenden Zusatz anzufügen:

Der Vergleich der Lebensbedingungen der palästinensischen Bevölkerung – deren wirkliche und eigentliche Bedrohung nicht Israel sondern ihre eigenen hypokritischen und selbstsüchtigen arabischen Mentoren und ihre eigene unversöhnliche und lebensverächtliche Führung ist – mit dem unsäglichen Elend und der aussichtslosen Agonie der von den Nazischergen ins Warschauer Ghetto willkürlich gepferchten Juden, ist nicht einfach nur  unzulässig und verharmlosend, er ist aufs unerträglichste verlogen, geschichtsklitternd und infam.

Das Besondere, Bestürzende  und Angstmachende dieses Falles ist aber, dass dieser Vergleich nicht von irgendwelchen fanatisierten und keiner Einsicht zugänglichen Islamisten oder von – an der Debilitätsgrenze durchs sinnentleerte Leben taumelnden – tumben neonazistischen Glatzen angestellt worden ist, sondern – gegen besseres Wissen – von prominenten und Vorbild gebenden Mitgliedern der geistigen und geistlichen Führung der Kirche, denen man als Bischöfen und hohen Vertretern der bundesrepublikanischen Bildungselite unzweifelhaft einen hohen humanistischen Bildungsgrad und profunde geschichtliche Kenntnisse attestieren kann und deshalb Vorsatz und ideologische Zündelei unterstellen muß.

2.  Bezüglich des mir – in Kritiken zu meinem Beitrag mit kaum verhohlener Schadenfreude von aufrichtigen Vertretern des von den Bischöfen geschürten konfessionsübergreifenden antijüdischen Sentiments – immer wieder vorgehaltenen Absolutions-Interviews der Galinski -Tochter Evelyn Hecht-Galinski im Deutschlandfunk, erlaube ich mir noch folgende Anmerkung und den Versuch einer Diagnose :

Die privaten, überaus naiven, unzutreffenden, teilweise bösartigen und vor allem die eigene Vita aufarbeitenden Ansichten von Frau Evelyn Hecht-Galinski  zu den geschichtsverdrehenden Äußerungen der Bischöfe in Israel und zu der vermeintlich ungerechtfertigen und kritiklosen Bevorzugung Israels durch die deutsche Politik werden durch den familiären Bezug der Interviewgeberin zu Heinz Galinski weder sachgerechter noch kompetenter.

Vielmehr spiegeln sie in unglücklicher und bemitleidenswerter Weise den – sogar die Radio-Interviewerin des Deutschlandradios  irritierenden –  absichtsvoll und provokativ konstruierten Bruch einer Tochter mit dem politischen Lebenscredo ihres berühmten Vaters wieder, auf dessen Bekanntheit sie aber in trotziger Inkonsequenz und der Einsicht, dass ihr wohl sonst kaum jemand zuhören würde, bei keinem ihrer – dem staunenden und peinlich berührten Publikum aufgedrängten – Auftritte jemals zu verzichten bereit war  – „Ich heiße Evelyn Hecht Galinski und bin die Tochter von Heinz Galinski“ .
Aus psychologischer Sicht handelt es sich meines Erachtens wohl noch am ehesten um ein  reifeverzögerndes Verweigern der Überwindung der spätpubertären Trotzphase als Zeichen eines ohnmächtigen Aufbegehrens gegen den postmortalen Schatten einer in der kindlichen Perzeption der Erlebenden als egomanisch und unduldsam empfundenen übermächtigen Vaterfigur.
Dieses mit progredientem Wahrnehmungs- und Urteilsverlust sowie einer massiven Realitätseintrübung vergesellschaftete Gudrun Enslin und Patricia Hearst-Syndrom ist – völlig unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen oder sozialen Gruppe  – ebenso typisch in seiner pathologischen wie bedauerlich in seiner menschlichen Komponente.

Armer Heinz, arme Evi !
Dr. Rafael Korenzecher

Zum Nachlesen: Offener Brief an die Deutsche Bischofskonferenz:

Kirche und Judentum – Eine Bischofsreise nach Israel
von Dr.Rafael Korenzecher

Alles bleibt beim alten…..

Dabei spielt es keine Rolle, ob auch diesmal wieder nachträgliche und allzu leise hingeheuchelte -ausschließlich der medienwirksamen Politraison gezollte – Pseudorichtigstellungen des durch einige öffentliche Ohrfeigen kurzfristig erschreckten Klerus gefolgt sind.

Einige Vertreter der Kirche haben mit der aus tiefster katholischer Seele ausgebrochenen Spontaneruption des von großen Teilen der Kirche seit jeher gelebten antijüdischen Sentiments enttarnend klargestellt, dass man sich auf ihre Beständigkeit und doktrinäre Unbelehrbarkeit in puncto Judenvorbehalt wirklich verlassen kann.

Damit und mit einem tiefen Seufzer, zu dem einen jüdischen, seit 2000 Jahren auch von den Christen in Anspruch genommenen und  sehr oft missbrauchten Gott, könnte man eigentlich zur Tagesordnung übergehen: Im Vatikan nichts Neues..!!
Der Vergleich der Lebensbedingungen der palästinensischen Bevölkerung  – deren eigentliche und größte Bedrohung ihre eigenen hypokritischen und selbstsüchtigen arabischen Mentoren und ihre eigene unversöhnliche und lebensverächtliche Führung ist –  mit dem unsäglichen Elend und der aussichtslosen Agonie der Juden im Warschauer Ghetto ist nicht einfach nur unzulässig, er ist verlogen, geschichtsklitternd und infam.

Das Besondere und Unerträgliche hieran ist aber, dass dieser Vergleich nicht von irgendwelchen fanatisierten und keiner Einsicht zugänglichen Islamisten  oder von an der Debilitätsgrenze durchs sinnentleerte Leben taumelnden tumben neonazistischen Glatzen angestellt  worden ist, sondern von deutschen Bischöfen, d.h. von prominenten und Vorbild gebenden Mitgliedern der geistigen und geistlichen Führungselite der bundesrepublikanischen Gesellschaft, denen man ungeprüft einen hohen Bildungsgrad und profunde geschichtliche Kenntnisse attestieren kann.

Diese in  perfider Gutmensch-Scheinheiligkeit  – noch dazu unmittelbar nach dem noch eben zuvor der zentralen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem abgestatteten Pflicht – und Alibibesuch –  sehr zum Wohlgefallen der palästinensischen Autoritäten angestellten Vergleiche sind weder zufällig noch unbedacht, sie sind gesinnungsenttarnend und zielen treffgenau auf die Relativierung des unsagbaren Leids der jüdischen Opfer und somit auf die Relativierung der Schuld der Täter und deren damaliger Mitläufer aus den eigenen Reihen.
Sie sind gleichzeitig ein Beschwichtigungsbeitrag  für die argwohngeschüttelten erzkonservativen und ewiggestrigen Kräfte zu Hause, denen jede Annäherung der Kurie an die Juden und deren Staat bis ins schwarze Mark suspekt ist.
Wegen der Funktion der – stellvertretend für große Teile der Kirche auftretenden – deutschen Bischöfe als höchste Vertreter der deutschen Christenheit wirkt ihr Vorgehen in dualer Weise als geschichtliche Schuldrelativierung Nazi-Deutschlands und der in jener Zeit überaus angreifbar agierenden Kurie gleichermaßen.
Das  – trotz des spürbar kurzatmigen Rückziehers des Kardinals Lehmann –   als manifester antijüdischer Eklat zu bewertende Verhalten der Bischöfe und ebenso ihre danach als Entschuldigungsersatz hingeholperten Halbherzigkeiten demaskieren erkennbar dieses allzu vordergründige Anliegen weiter Kirchenkreise.

Diese Kirche, die bei der Verfolgung ihrer Ziele und Dogmen  in weiten Teilen Mitgefühl nicht kannte und nicht kennt und die die jüdische Herkunft ihres eigenen Gottes beharrlich verschwiegen und geleugnet hat, trägt mit ihrem jahrhundertelang und bis weit in die Neuzeit von ihren Päpsten praktizierten, gelebten, gepredigten und nur gelegentlich als theologischen  Antijudaismus begrifflich getarnten Antisemitismus die Hauptverantwortung für die antisemitischen Exzesse und Atrozitäten im gesamten Abendland.
Sie ist – trotz der Schar einiger Aufrechter aus ihren Reihen –  neben den Nazi-deutschen Tätern, auch mitverantwortlich  für den jüngsten Holocaust am jüdischen Volk.

Mit Zustimmung und im Namen dieser Kirche wurden zahllose Verbrechen gegen die Menschheit im Allgemeinen und gegen die Juden im Besonderen begangen. Mit ihrer unversöhnlichen Missionarisierungs- und Hegemonialpolitik hat diese Kirche historisch nachweisbar die Ursachen für viele bis heute weltweit schwelenden Konflikte geschaffen und am Leben erhalten.

Die von den deutschen Bischöfen in Israel nur spärlich mit dem Deckmantel angeblichen Mitgefühls und aufgesetzter Anteilnahme verdeckten, gegen besseres Wissen erstellten Vergleiche der gegenwärtigen palästinensischen Lebenssituation mit dem Leid der Juden in den Ghettos und Lagern des Naziregimes, reihen sich fast nahtlos in die bis jetzt – trotz gegenteiliger Behauptung – von weiten Teilen dieser Kirche nicht abgelegten Feindbilder und Antichrist-Ideologien ein, die nicht zuletzt auch  dem Judenhaß der Nationalsozialisten  als Vorbild und als Alibi gedient haben.

Die das Verbrechen an den Juden verharmlosenden Vergleiche der kirchlichen Emissäre können aber auch nicht wirklich verwundern vor dem mit allerlei Konzils- und Kirchentagsgaukeleien bewusst vernebelten Hintergrund, dass sich weite Teile der christlichen Kirche insgesamt – der reformierten und der katholischen – von ihren judenfeindlichen Leitfiguren gar nicht oder nicht eindeutig distanziert haben.

Dies gilt in der evangelischen Kirche für deren Begründer, den Reformer und dezidierten Antisemiten Luther, in der katholischen Kirche für die zahlreichen päpstlichen Antisemiten ihrer Geschichte.

Dazu gehören die Kreuzzugs-, Judenstigmatisierungs- Zwangstauf- und Inquisitionspäpste des 12. Und 13.Jahrhunderts, darunter Papst Urban II., Innozenz III. Und Gregor IX. Hierunter fällt ebenso der Juden-Ghettoisierungspapst des 16. Jahrhunderts Paul IV., wie die judenfeindlichen Päpste des 19.Jahrhunderts, unter denen allen voran der von der ganzen zivilisierten Welt – mit Ausnahme der katholischen Kirche – bereits in seiner eigenen Zeit mit Abscheu geächtete Entführer und Zwangsadoptierer des jüdischen Kindes Edgardo Mortara, der Judenhasser und Ghettowiederaufbauer Pius IX.

Schließlich und sehr zum Missfallen höchster Kirchenkreise ist an dieser Stelle auch keinesfalls der mit den Nazis und deren Judenpolitik sympathisierende Wegsehpapst Pius XII auszulassen, der noch bis zur endgültigen Erkenntnis über die Aussichtslosigkeit des Hitler-Krieges einvernehmlich und vorsätzlich zu dem ihm durchaus bewussten und bekannten Genozid am jüdischen Volk schwieg, während seine Priester in Kroatien bei der Liquidierung der Juden selbst Hand anlegten, seine Bischöfe in Deutschland sich zwar gegen die Euthanasie an Nichtjuden aber keinesfalls gegen den Mord an Juden ausgesprochen haben und seine diplomatischen Emissäre noch nach dem verlorenen Krieg Naziverbrechern falsche Pässe zur Flucht vor den Alliierten verschafft haben, obwohl sie nicht bereit waren, dies auch vorher für verfolgte Juden zu tun.

Diese Kirche, hat sich bis heute nicht vollständig von dem antijüdischen Morast ihrer Geschichte gereinigt und hat sich von den geschichtlichen Antisemiten in ihren Reihen nicht nur nicht losgesagt  – von der in vielen anderen Fällen so leicht von der Hand gehenden Exkommunikation ganz zu schweigen – sondern hat etliche dieser Judenfeinde und -verfolger, wie etwa den – gegen weltweiten Protest –  im Jahre 2000 seliggesprochenen Judenhasser Pius IX ., auch noch gefeiert, mit Heiligsprechungen ausgezeichnet und unsterblich gemacht.

In weiten Kreisen dieser Kirche lebt der unselige Geist des Antisemitismus von gestern auch heute noch in mannigfaltiger Gestalt und offiziell geleugneter aber ungebrochener Vitalität weiter, und dies trotz des Zweiten Vatikanischen Konzils und des bei weitem überschätzten Fastensonntags -Reuegelöbnisses von Johannes Paul II.

Ihre Freundeskreise – wie etwa das Webportal Kreuz.net oder der Arbeitskreis Konservativer Christen betreiben Internetseiten , die von großen Teilen der Kirche unwidersprochen bereits die halbherzige Entschuldigung der Bischöfe für deren israelische Entgleisung als ein Kleinbeigeben gegenüber den Juden beklagen, oder sich in vaterländischem Stammtischgejohle und Hohmann-Lobreden ergehen.

Eine solche Kirche, die das Purgatorium predigt aber an sich selbst nicht vollzieht, hat das verloren, was sie eigentlich am meisten bräuchte, Glaubwürdigkeit und moralische Kompetenz.
Ihr einseitiges Urteil oder gar eine Verurteilung des israelischen Überlebenskampfes ist daher schon per se verdächtig.
Große Teile dieser Kirche fühlen sich – den Aufrechten in ihren eigenen Reihen zum Trotz – von Geistlichen mit dem Geschichtsbewusstsein eines Hanke oder Mixa, die sie systemimmanent zu ihren bischöflichen Vertretern gemacht und nach dem Eklat nicht etwa abberufen haben, offenbar mehr als würdig vertreten.

Bezüglich ihrer immer wieder in hoffnungsloser Eigenüberschätzung selbsteingeforderten Anerkennung als allgemeinverbindliche moralische Instanz ist einer solchen Kirche auch angesichts des neu aufgesetzten regenbogenpressefähigen jovialen Mäusefang-Populismus und des „Wir sind Papst – Geredes“ unter den bestehenden Gegebenheiten nicht zu helfen.

Erich Kästner hat sich tatsächlich nicht geirrt:  „…. da hilft kein Zorn, da hilft kein Weinen, da hilft kein Beten, die Nachricht stimmt, aus dieser Kirche ist der liebe Gott längst ausgetreten.“

Dr. Rafael Korenzecher Readers Edition 22.03.2007

Zum Nachlesen – Original-Interview mit Evelyn Hecht-Galinski
Deutschlandfunk, 9.3.2007

Evelyn Hecht-Galinski kritisiert Zentralrat der Juden
Moderation: Doris Simon

Anlässlich des Streits um Äußerungen einiger katholischer Bischöfe zu den Zuständen in den Palästinensergebieten hat Evelyn Hecht-Galinski ihre scharfe Kritik am Zentralrat der Juden in Deutschland erneuert. Der Zentralrat habe sich „wieder mal als Sprachrohr der israelischen Regierung“ betätigt. Die Tochter des ehemaligen Zentralratspräsidenten Heinz Galinski bedauere es, dass Kardinal Lehmann „diese sehr moderaten Äußerungen zum Teil zurückgenommen“ habe.

Den vollständigen Artikel erreichen Sie HIER

Anlässlich des Streits um Äußerungen einiger katholischer Bischöfe zu den Zuständen in den Palästinensergebieten hat Evelyn Hecht-Galinski ihre scharfe Kritik am Zentralrat der Juden in Deutschland erneuert. Der Zentralrat habe sich „wieder mal als Sprachrohr der israelischen Regierung“ betätigt und bezeichne „jüdische Kritiker als jüdische Antisemiten“. Die Tochter des ehemaligen Zentralratspräsidenten Heinz Galinski bedauere es, dass Kardinal Lehmann „diese sehr moderaten Äußerungen zum Teil zurückgenommen“ habe.

Doris Simon: Nur langsam beruhigt sich die Auseinandersetzung um Äußerungen einiger katholischer Bischöfe zu den Zuständen in den Palästinensergebieten. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz Kardinal Lehmann hat inzwischen erklärt, er halte die Kritik der Bischöfe Hanke und Mixa für nicht angemessen. Sie hatten während einer Israelreise der Bischofskonferenz die Situation in Ramallah mit dem Warschauer Ghetto verglichen beziehungsweise sich an Rassismus erinnert gefühlt. Demagogie und Antisemitismus warf darauf hin der israelische Botschafter beiden vor. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland reagierte empört. Evelyn Hecht-Galinski arbeitet aktiv mit bei den Europäischen Juden für einen gerechten Frieden, die engagieren sich für einen Ausgleich mit den Palästinensern. Frau Hecht-Galinski ist jetzt am Telefon. Guten Morgen!

Evelyn Hecht-Galinski: Guten Morgen Frau Simon!

Simon: Frau Hecht-Galinski, überrascht Sie die Schärfe der Auseinandersetzung?

Hecht-Galinski: Die überrascht mich und überrascht mich nicht, weil vom Zentralrat bin ich nichts anderes gewöhnt. Er hat sich wieder mal als Sprachrohr der israelischen Regierung betätigt und hat sich an die israelische Botschaft heran gehängt und bezeichnet Kritiker als Antisemiten, jüdische Kritiker als jüdische Antisemiten oder jüdische Selbsthasser oder Juden, die in der Identitätskrise stecken. Das bin ich gewöhnt, und ich auch keine Einzelmeinung mehr, wie das immer hingestellt wird vom Zentralrat. Ich bedauere es nur sehr, dass die, wie Sie schon vorher anmoderiert haben, dass die Bischöfe beziehungsweise Kardinal Lehmann schon wieder diese Äußerungen, diese sehr moderaten Äußerungen zum Teil zurückgenommen haben oder sich entschuldigt haben.

Simon: Moderat, finden Sie den Vergleich mit dem Warschauer Ghetto moderat?

Hecht-Galinski: Ich kann diese Vergleiche so nicht nachvollziehen, weil, wenn man morgens in Jad Vaschem war, diese Ausrottung des europäischen Judentums gesehen hat, die leider nicht mehr rückgängig zu machen ist, und dann in die besetzten Gebiete fährt, dieses Elend sieht, diese Mauer, die sich durch palästinensische Gebiete zieht, diese unrechtmäßige Besatzung, dann muss man von einem Riesenghetto beziehungsweise Riesenfreiluftgefängnis sprechen, das die israelische Regierung in den besetzten Gebieten einrichtet.

Simon: Aber muss es immer gleich der Vergleich mit dem Holocaust sein?

Hecht-Galinski: Es ist nicht der Vergleich mit dem Holocaust. Ghetto ist heute ein gebräuchlicher Begriff, das betrifft die Vorstädte, das betrifft amerikanische Ghettos, das ist ein normaler Begriff.

Simon: Was sagen Sie denn dazu, der Vergleich mit dem Holocaust war antisemitisch, demagogisch, so der Vorwurf zum Beispiel der israelischen Botschaft, auch des Zentralrates?

Hecht-Galinski: Ja, ich sagte ja schon, das ist die gängige Wortwahl, um Kritiker mundtot zu machen.

Simon: Könnte das nicht auch ein grober Klotz auf einem groben Keil sein?

Hecht-Galinski: Ich fand den groben Keil von den Bischöfen überhaupt nicht grob. Im Gegenteil: Ich fand ihn, wie gesagt, sehr moderat. Die Bischöfe haben endlich mal ein paar Worte ausgesprochen. Normalerweise hört man ja gar nichts mehr. Die deutsche Politik ist hinter den israelischen Medien verschwunden. Die deutsche mediale Berichterstattung zeigt das Elend auch nicht mehr genug, und deswegen muss ich sagen, bedauere ich es nochmal sehr, dass es jetzt schon wieder einen Rückzieher gegeben hat.

Simon: Der israelische Botschafter in Deutschland hat ja ausdrücklich gesagt, Kritik an Israel sei legitim, es käme auf die Wortwahl und die richtigen historischen Zusammenhänge an.

Hecht-Galinski: Ja, sicherlich. Das ist immer die gängige Meinung und die gängigen Aussprüche. Sobald aber Kritik geäußert wird, wird diese Kritik sofort mit Antisemitismusvorwürfen gleichgesetzt, und dadurch werden die Politiker auch mundtot gemacht. Sehen Sie, damals nach dem Streubombeneinsatz ist die Frau Wieczorek-Zeul angegriffen worden. Sie hören heute nichts mehr. Es ist alles verschwunden. Jedes kritische Wort wird sofort im Keim erstickt.

Simon: Ist das typisch aus Ihrer Sicht für Deutschland oder gilt das auch für andere Länder?

Hecht-Galinski: Das gilt auch für andere Länder. Überall wo, ich muss es leider sagen, wie Tony Judt das auch schon festgestellt hat, die jüdisch-israelische Lobby mit ihrem Netzwerken am Arbeiten ist, das zieht sich heute über die ganze Welt, und dank Amerika ist die Macht so groß geworden, dass wir als europäische Juden für einen gerechten Frieden zwar eine Minderheit sind, aber immer stärker werden in der ganzen Welt. Und ich muss Ihnen ehrlich sagen, ich habe mir das Lebensmotto meines Vaters zu Eigen gemacht: Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen.

Simon: Ihr Vater, das muss man vielleicht noch mal erwähnen, war Heinz Galinski, der frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland. Und wenn Sie von Ihrer Organisation Europäische Juden für einen gerechten Frieden sprechen, und Sie sagen schon, Sie sind in der Minderheit, wie fühlen Sie sich denn innerhalb der jüdischen Gemeinde in Deutschland?

Hecht-Galinski: Ich fühle mich in der Hinsicht nicht mehr dazugehörig zu der normalen Mehrheit, weil diese Mehrheit also absolut nur die israelische Politik unterstützt, und ich bin deutsche Jüdin und möchte nicht missbraucht werden für – das habe ich schon mal gesagt – eine israelische Politik, die auf keinem Boden des Rechts und auf keinem demokratischen Verständnis mehr steht.

Simon: Ihre Kritiker werfen Ihnen Selbsthass vor.

Hecht-Galinski: Ja, ich sage ja gerade, das ist ein gängiger Begriff in jüdischen Beschimpfungen. Da kann ich also wirklich nur müde darüber lächeln.

Simon: Was für Auswirkungen wird denn die scharfe Kritik jetzt an der Kritik der Bischöfe sowohl aus Deutschland vom Zentralrat als auch aus Israel haben? Im April reist ja eine hochkarätige Delegation der Evangelischen Kirche Deutschland nach Israel.

Hecht-Galinski: Ja, das wird wohl die Auswirkung haben, dass die Evangelische Kirche sich gar nicht mehr zu Wort melden wird beziehungsweise eine Tourismusreise unternehmen wird und die schönen israelischen Gebiete sieht und wahrscheinlich nichts mehr sagen wird. Und ich finde sogar, es besteht eine Fürsorgepflicht für die Christen, die sich so einsetzen, die unter schwersten Bedingungen nach Israel fahren, um dann in die besetzten Gebiete zu kommen, was ja eigentlich verboten ist, um den Palästinensern dort zu helfen oder den zwei Prozent noch verbliebenen Christen, und die zwei Prozent von 20 Prozent ehemalig verbliebenen Christen, die sind nicht wegen der Moslems gegangen, im Gegenteil, die hoffen sehr, dass die Christen noch bleiben, sondern die sind wegen der israelischen Schikanen gegangen.

Simon: Das heißt, Sie gehen letztlich davon aus, dass die ganze Auseinandersetzung jetzt Israel und allen Menschen, die dort leben, eher schadet als nutzt?

Hecht-Galinski: Ja, selbstverständlich. Im Endeffekt wird diese ganze israelische Politik auch dem Staat Israel nur schaden, auch wenn das heute noch nicht so gesehen wird von vielen Leuten. Aber es kann nur in ein absolutes Unglück führen, was dort passiert, weil man kann nicht ewig ein ganzes Volk unterdrücken und sich wirklich – ich muss diese Vergleiche wagen -, wir haben ja gerade erlebt, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist und was heute passiert. Das kann man nicht einfach beschönigen, und man muss schon gewisse Vergleiche ziehen, leider muss man sagen, auch wenn das in Deutschland nicht politisch korrekt ist.

Simon: Und da gibt es keine Tabus für Sie?

Hecht-Galinski: Es gibt in der Hinsicht keine Tabus. Wissen Sie, wenn jüdische Siedler Gegner als Nazis bezeichnen, sich also auch mit dem Holocaust bedienen, dann kann ich sagen, es gibt, wenn Sie israelische Medien lesen, es gibt überhaupt gar kein Tabuthema mehr. Das wird zwar immer so dargestellt, aber gerade Deutschland hat die Verpflichtung, nicht in dieser Freundschaftsfalle zu enden und zu landen, sondern den Mund aufzumachen. Und das vermisse ich völlig, weil die deutsche Politik beziehungsweise die Regierung, egal welche Partei, sich immer voll auf die israelische Seite stellt, kritiklos.

Simon: Die Debatte um bischöfliche Ghettoworte, das war Evelyn Hecht-Galinski, Mitglied der Europäischen Juden für einen gerechten Frieden.

Zum Nachlesen:
Wer ist Evelyn Hecht-Galinski?

5. September 2006 Veröffentlicht in: Israel und so, trackback  – copyright chajms sicht

Natürlich wissen wir, wer Evelyn Hecht Galinski ist, nämlich Tochter des verdienten ehemaligen Zentralratsvorsitzenden Heinz GalinskiWikipedia, ehemalige Waldorfschülerin und selbsternannte Kritikerin des Zentralrats.

Schon 2002 schrieb sie in einem Leserbrief an den STERN:
Deshalb stört mich die Intoleranz des heutigen Zentralrats. Er betrachtet sich als die diplomatische Vertretung Israels in Deutschland und als Sprachrohr der Scharon-Regierung. Ich als Jüdin sage: Israels Besatzungs- und Siedlungspolitik ist unerträglicher und verabscheuungswürdiger Staatsterror. Stern 52, 2002

Vermutlich hat sie einen Musterbrief zuhause, denn 2005 schreibt sie an einen gewissen Arne Hoffmann:

„Dieser Zentralrat tritt als diplomatische Vertretung Israels in Deutschland auf und als Sprachrohr der israelischen Botschaft. Etwas mehr kritische Hinterfragung wäre auch in Deutschland wünschenswert.

Im August 2006 dann ein erneuter Leserbrief im Stern:

Ich schäme mich als deutsche Jüdin für die Taten Israels ! Gezielte Tötungen, Erniedrigung der palästinensischen Bevölkerung, Landenteignung, Zerstörung der Infrastruktur, Grenzschikanen, Mauerbau, Häuserspregungen, Bomben auf UN-Beobachter…Und als Trumpfkarte: Jede Kritik an Israel ist Antisemitismus. 30 Jahre verlorene Zeit, längst hätten Verhandlungen auf gleicher Augenhöhe, die Rückgabe der Golan-Höhen an Syrien und ein echter Stopp des Siedlungsbaues zu Frieden führen können. Daher auch die jetzige (gewollte?) Situation.

Die Jüdische Allgemeine wird dann auch schon mal von ihr aufs Korn genommen, im Jahr 2000 schreibt sie:

Nach der Lektüre des Artikels “Waldorfunterricht “rassistisch geprägt”?” vom 30. März bin ich entsetzt darüber, welche Fanatiker in der Jüdischen Allgemeinen schreiben dürfen. Von meinem Vater Heinz Galinski, dem ehemaligen Zentralratsvorsitzenden, habe ich gelernt, so etwas nicht hinzunehmen.

In ihrem neuesten Interview mit dem Deutschlandfunk (die Zeit gibt es auch wieder) wiederholt sie ihre These.

Weil es für mich besonders unerträglich ist und auch für viele meiner jüdischen Mitstreiter, dass sich der Zentralrat zum wiederholten Male als Sprachrohr der israelischen Regierung in Deutschland versteht, anstatt sich um die sozialen Belange der Gemeindemitglieder in den jüdischen Gemeinden in Deutschland zu kümmern.

Mit dieser Haltung lieferte sie natürlich all denen, die es immer gewusst haben eine Steilvorlage und zieht sich selber aus der Affäre indem sie postuliert die Juden seien selber Schuld am Antisemitismus. Die Art der Kritik des Zentralrats ist diskussionswürdig, aber solche Reflexe abzuarbeiten könnte pathologisch sein.
Wer ist eigentlich Frau Hecht-Galinski, außer „Tochter von…” – wo ist ihr Beitrag für das Judentum in Deutschland, wo ist ihr Beitrag für eine vernünftige und offene Diskussion?

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Tapfer im Nirgendwo

Gerd Buurmann

Spirit of Entebbe

It was a daring raid. Even by Israeli standards.

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