Oettinger, Brunnhuber, Schönbohm und kein Ende…..


Die Diskussion über den dummdreisten Lügen-Nekrolog und Opferverhöhnungsexkurs des Baden Württembergischen Ministerpräsidenten  Oettinger am Grabe des Totmach-Juristen Filbinger trifft bei weitem nicht die ganze Bandbreite der Angst machenden Problematik.

Das, was hier und jetzt vor unser aller Augen stattfindet, ist längst kein Fall Oettinger,  sondern zumindest auch ein Fall der moralisch verwahrlosten Lügen-Claqeure Strobl, Rech, Brunnhuber und vieler weiterer Sympathisanten, die sich mit jedem vergehenden Tag bezüglich ihrer rechten Gesinnung weiter enttarnen.

Dies auch und sogar verstärkt nach dem der Parteiraison und vor allem der opportunistischen Job-Verlustangst dargebrachten Entschuldigungs-Gemurmel Oettingers.

Besonders Brunnhuber – immerhin Vorsitzender der Baden-Württembergischen CDU-Landesgruppe im Bundestag – hat zur Freude aller redlichen Antisemiten aus seiner Rechtsaußen-Position heraus einen wirklich verdienstvollen und befreienden  Beitrag zur Klärung der verfahrenen Situation geliefert und uns endlich den wirklich Schuldigen präsentiert – die Juden.

Oettinger lügt unter dem Beifall seiner Parteikumpane einen verbohrten alten Nazi-Juristen posthum zum Nazigegner hoch und  Brunnhuber, für den das  eine „Meisterprüfung“ für die „christlich konservative Seele“ war, lokalisiert die Störenfriede vom Zentralrat der Juden als die eigentlichen Schuldigen, die mit Ihrer „überbordenden Kritik“ „in die Hände der Rechten“ spielen.

Die von Brunnhofer und seinen CDU-Gefolgsleuten in übelster Art vorgenommene Ausgrenzung von Bürgern jüdischen Glaubens aus der Gesamtmenge der kritischen Stimmen und die Verordnung eines Maulkorbs für Juden ist hetzerische Stimmungsmache braunster Couleur und Antisemitismus in Reinkultur.

Sie macht den Fall Oettinger zu einem Fall Brunnhofer und eigentlich zu einem Fall CDU.

Beunruhigend ist vor allem die in großen Teilen der Republik, in allen Gesellschaftsschichten gerade jetzt wieder spürbare sympathisierende Gleichgültigkeit und Indifferenz – wenn nicht sogar vorsätzliche Verweigerung – gegenüber diesem nach  60 Jahren Demokratie eigentlich unglaublichen Geschehen.

Dieses Signal der breiten Zustimmung zu den Thesen des verdächtig nah am braunen Gedankengut agierenden Brunnhofer-Kreises verbietet die – von der über jeden demokratischen Zweifel erhabenen Kanzlerin – pragmatisch gewünschte Beendigung der Diskussion.

Zu deutlich sind die Zeichen für die immer noch bestehenden Defizienzen  der demokratischen Entwicklung und für den immensen Bedarf an Aufarbeitung braunen Gedankenguts.

Für alle die es nur bemerken wollen, sind die Symptome eines Erstarkens der restaurativen, unsere Demokratie und Freiheit gefährdenden Entwicklung – insbesondere in den Jahren nach der Zusammenführung der beiden deutschen Staaten – erschreckender Weise nicht mehr zu übersehen.

Der von allen gefürchtete Klimawandel ist in unserem Land politisch bereits verheerend weit fortgeschritten.

Die Relativierung der Nazi-Verbrechen und die Geringachtung der Gefahr des – in nahezu allen Schichten akzeptierten – rechten Gedankenguts und seiner neonazistischen Auswüchse, wie Fremdenhass und Antisemitismus, haben Wirkung gezeigt.

Schlussstrichdebatten, von eigener Schuld ablenkende Schuldzuweisungen an die historischen Rolle und Jetztpolitik anderer Nationen sowie die – unter Weglassung von Ursache und Wirkung – an den Tag gelegte Larmoyanz über deutsche Opfer vermeintlicher alliierter Kriegsgreuel ergänzen diesen Sachverhalt.

In diesem Trend liegen auch die zur besten Sendezeit ausgestrahlten – ausschließlich die Beschwernisse der deutschen Ost-Kolonisatoren ausmalenden Herzrühr-Filme wie etwa der Publikumsrenner „Die Flucht“. und die inflationierte Zahl von Talkshows mit unverbesserlichen  vermeintlich viktimisierten, für fremdes Leid völlig indolenten und wehleidigen Naziveteranen als Hauptfiguren.

Die Saat eines Ernst Nolte, Jenninger, Hohmann, Walser, Möllemann aber auch Mixa und Hanke und vieler weiterer Gesinnungsgenossen ist aufgegangen:

Von politischer Seite wird mit der Einzelfall-Lüge klein geredet, dass in „no go-areas“ und „national befreiten“ Gebieten vor den Augen gleichgültiger und häufig untätiger Mitbürger und Ordnungskräfte,  Übergriffe auf dunkelhäutige Fremde stattfinden, während jüdische Bürger – wie der Kippa-Test und tätliche Angriffe auf Rabbiner beweisen – es kaum noch wagen, sich als Juden zu erkennen zu geben.

In der Bundeswehr wird vorgeführt. wie Hass- und Agressions-Motivierung durch befohlene rassistische Fokussierung auf den „schwarzen Mann“ geübt wird und der Klerus veranstaltet unter der Führung eines einschlägig vorbelasteten deutschen Papstes einen ideologischen Feldzug gegen Israel, mit dem Ziel, durch Geschichtsfälschung aus dem Nazifreund und Wegsehpapst Pius XII einen Widerstandskämpfer mit Heiligenschein zu machen.

Keinesfalls hinderlich oder Anstoß erregend – nicht mal für allerhöchste Ämter – sind alte Mitgliedschaften in der NSDAP oder der Hitler-Jugend.

Mit Koketterie eingeräumte Zugehörigkeiten zu einer Mordgruppe wie der Waffen-SS werden heute clever für den Absatz eines sonstig unbeachteten drittklassigen Literaturelaborats verwendet.

Es ist in unserer Republik  salonfähig und opportun sich wieder nationalbewusst und in rechter Gesinnung zu präsentieren.

Das bringt Wählerstimmen und darauf zielt die skrupellose – keinesfalls durch die nachgereichte Pietäts-Begründung gegenüber einem Toten gedeckte – Geschichtslüge Oettingers und seiner Freunde.

Da kann es doch niemanden verwundern , wenn er sich nicht Hypokrisie vorhalten lassen möchte, dass in Baden-Württemberg ein Ministerpräsident versucht, sich beim Wahlvolk beliebt zu machen und den bis zum Tode uneinsichtigen NS-begeisterten Exekutionsjuristen Filbinger an der Wahrheit vorbei mit einem Persil-Schein zu versehen und ihn zum Nazi-Gegner zu stilisieren.

Daran ändert auch die anerkennenswerte und schnelle Reaktion der Kanzlerin nichts.

Der Glücksfall und die Chance, den ihre zweifelsfreie Integrität, ihre demokratische Ausgewogenheit und ihr politisches Fingerspitzengefühl sowie Ihr berechtigtes internationales Renommee für unsere Republik bedeuten, wird gerade in der eigenen Partei zu wenig erkannt und genutzt.

Die Brunnhubers und Schönbohms, die sie erdulden, sowie die Schelte und die kaum bemäntelten Anfeindungen, die sie von weiten Kreisen der CDU hinnehmen muss, sind ein trauriger Beleg hierfür.

Ein kleine wenn auch nur unwesentlich tröstliche Voraussage sei an dieser Stelle erlaubt – Oettinger wird als Ministerpräsident demnächst ohnehin entsorgt werden.

Trotz seiner Rückgrat-Biegeübungen und der viel zu spät, widerwillig, halbherzig und kaum vernehmbar in Raten hingeheuchelten Entschuldigungsfalsifikate sowie seiner  – nach spitzfindigem Beratergeheiß – vorgegaukelten, plötzlichen Begegnungs- und Dialogbereitschaft.

Sein Pech will es, dass zu den Opfern Filbingers nicht die üblichen Opfer ohne nationalen Sympathiebonus gehören, sondern die für diese Rolle eher untypische Gruppe deutscher Wehrmachtssoldaten. Dies wurde schon Filbinger nicht verziehen und wird auch einem Oettinger nicht verziehen werden.

Übrigenfalls werden Filbingers rechtslastige Diadochen um Brunnhuber den Dolchstoß gegen den rückgrat-weichen Meisterprüfungs-Versager Oettinger selbst ausführen.

Die nicht ohne Häme von Brunnhuber an Stelle Oettingers in Rom beim Papst vorgeführten Geburtstags-Trockenübungen bildet einen schönen Auftakt hierzu.

Dr. Rafael Korenzecher
Berlin Charlottenburg
Jewish Berlin Online
Ehem. Mitglied des Rundfunkrats des SFB
Ehem. Repräsentant der Jüd. Gemeinde Berlin

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