Unsere Mütter , unsere Väter — das Selbstmitleid der Nazi-Generation


Die zusehends unverfrorenere Relativierung nationalsozialistischen Unrechts, die zunehmende Verharmlosung des unsäglichen Leids der Naziopfer, die Geringachtung der Gefährlichkeit und Gefahr des allgegenwärtigen, breit und unverhohlen in nahezu allen Schichten und gesellschaftlichen Gruppierungen der Bevölkerung akzeptierten rechten Gedankenguts und seiner – wie die nahezu täglichen Vorfälle von Antisemitismus belegen – sich häufenden neonazistischen Auswüchse haben längst Wirkung gezeigt. Ganz im Sinne des aus unseliger Zeit weitestgehend unverändert tradierten antijüdischen Vorbehalts nahezu aller Gesellschaftsrichtungen funktioniert auch die breite gesellschaftliche Delegitimierung und Anfeindung Israels und der irrwitzige Schulterschluss mit dem Antisemitismus des gesellschafts-zerstörenden islamistischen Gedankenguts.

Von tragenden gesellschaftlichen Gruppierungen genährte Nationalstolz- und Schlussstrichdebatten, die kaum noch zu verbergende Unterstützung der rechten Szene durch Geheimdienst und Polizei, von eigener Schuld ablenkende Schuldzuweisungen an die historischen Rolle und Gegenwartspolitik anderer Nationen sowie die – unter bewusster Weglassung von Ursache und Wirkung – wachsend vorgetragene Larmoyanz über deutsche Opfer vermeintlicher alliierter Kriegsgräuel ergänzen diese gesellschaftlichen Veränderungen in synergistischer Weise.

In diesem unseligen Trend liegen auch die zur besten Sendezeit ausgestrahlten – wiederum unter Weglassung von Ursache und Wirkung – ausschließlich die Beschwernisse und Verluste der deutschen Bevölkerung und der deutschen Ost-Kolonisatoren schildernden kommerzialisierten Herzrühr- und Tränendrück-Filme wie etwa der Publikumsrenner „Die Flucht“ und die gegenwärtige unsägliche Auszeichnung des Geschichtsklitterungs-Trash-Rührstücks ” Unsere Mütter, unsere Väter “.

Im gleichen Sinne und teilweise bis zur Verklärung der Nazigrößen wirken die – auf Schaffung menschlicher Nähe zu den Nazi-Schergen zielenden – Streifen wie der „Der Untergang“, „Der Bunker“ oder gar dem Thema völlig unangemessene Schundkomödien wie „Mein Führer“.

Unterstützt wird diese Verharmlosung und Verdrängung der unsäglichen Verbrechen des Naziregimes sowie der Schuld der Beteiligten, der Profiteure und der Mitläufer durch die zwischenzeitlich inflationierte Anzahl von Fernseh-Talkshows mit altersstarrsinnig uneinsichtigen, vermeintlich viktimisierten, dem fremden Leid gegenüber völlig verhärteten und bezüglich der eigenen Vita wehleidigen Naziveteranen oder deren Witwen.

Die Saat eines Ernst Nolte, Philipp Jenninger, Martin Hohmann, Norbert Blüm, Martin Walser, Jürgen Möllemann aber auch Walter Mixa und Gregor Hanke sowie ihrer zahlreichen Gesinnungsgenossen ist wirklich aufgegangen.
Dr. Rafael Korenzecher

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Tapfer im Nirgendwo

Gerd Buurmann

Spirit of Entebbe

It was a daring raid. Even by Israeli standards.

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